Neu, und schon umgezogen

Diese provisorische Website ist inzwischen ausser Betrieb. Neu bin ich unter http://www.kultkomm.ch/wordpress/ zu erreichen!

Viel Spass!

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«Berner Kulturagenda»: Dum Dum Girls

Mein erster Auftrag für die «Berner Kulturagenda» ist der Artikel über ein Frauenquartett aus Kalifornien: die Dum Dum Girls. Der Titel des Beitrags: Noise-Pop mit 60er-Jahre-Flair (das PDF kann hier angeschaut werden).

Die Dum Dum Girls aus Kalifornien sorgen seit 2010 in der Indie-Szene mit herrlichen, einprägsamen 60er-Jahre-Garagenpopliedern für Aufregung. Nun beehren die vier Mädels das ISC.

In den Songs der Dum Dum Girls geht es sofort zur Sache: Ein kurzer Auftakt des Schlagzeugs, drei Akkorde einer rasselnd verzerrten Gitarre oder ein simpler Basslauf – und schon setzt der sonnige Gesang von Kristin Gundred, auf der Bühne als Dee Dee bekannt, ein. Der Aufbau der Lieder ist einfach gehalten, die Melodien sind frischfröhlich, die Stimmen haben etwas Kindliches. Und trotzdem entsteht hier keine harmlose Musik, die sich lediglich für den Fahrstuhl eignen würde. Dafür sind die Aufnahmen zu widerspenstig gemacht und die Band ist insgesamt zu lärmig.

Beach Boys und Beatles lassen grüssen

Kristin Gundred ist der Kopf dieses Frauenquartetts, das eigentlich erst zur Band wurde, als Gundred anfing, ihre Stücke live darzubieten. Dafür hat sie sich vor zwei Jahren drei gute Freundinnen ins Boot geholt, die sie seither auf die Bühne und ins Studio begleiten. Sämtliche Songs stammen aber weiterhin aus der Feder von Dee Dee.

Die Einflüsse auf Kompositionen sind schnell ausgemacht: Es sind die Beach Boys und die Beatles, die Gundreds Songs ein luftiges 60er-Jahre-Pop-Flair verleihen; weiter sind da die Ramones, Patti Smith und The Cure, die dem Pop eine angenehme Dosis Lärm hinzufügen.

Bockstill wie Stoikerinnen

Auf der kürzlich erschienen Vier-Song-EP «He Gets Me High» hat sich das Klangbild leicht gewandelt: Die Aufnahmen sind klarer als auf dem Erstling, «I Will Be», und tönen weniger nach Tiefgarage, dafür sind die Bässe voller und das Schlagzeug klarer artikuliert. All dies zusammen ist ein Gewinn für die Musik der Dum Dum Girls, auch weil die Songs noch direkter geworden sind. «Wrong Feels Right» ist ein schmissiger Song, der stark an The Cure erinnert, aber leichtfüssiger daherkommt. Der Titelsong «He Gets Me High» ist ein dreckiger Rocksong, der von den vier hellen Stimmen überstrahlt wird. Die langsamere Nummer «Take Care Of My Baby» steht unter Einfluss der Titelmelodie zur Fernsehserie «Twin Peaks». Der Song ist auf einem taumelnden Bass und schwerfälligen Rhythmusinstrumenten aufgebaut, legt sich aber behutsam über die Seele aus und erzeugt ein wohliges Schaudern.

Mit ihrem Auftritt an der Bad Bonn Kilbi 2010 sorgten die Girls für reichlich Diskussionsstoff. Während die Musik weitherum Freude bereitete, fühlten sich viele durch das Gebaren der vier Damen vor den Kopf gestossen: Die Sängerin stand bockstill hinter ihrem Mikrofon, spielte stoisch auf ihrer Gitarre und sprach zwischen den Songs kaum einmal zum Publikum. Ihre Mitstreiterinnen blickten meist mürrisch zur Seite oder starrten auf den Boden. Das höchste der Gefühle war da ein angedeutetes Wippen, dort ein kurzer Blick ins Publikum. Man emfpand sie als zickig und wortkarg, arrogant und unsympathisch.

Die Femmes fatales beweisen Temperament

Der Grund für dieses Verhalten ist aber offenbar nicht Arroganz, sondern die panische Bühnenangst der scheuen Bandleaderin Gundred. Glaubt man den einschlägigen Musikblogs, soll sich das in den letzten Monaten aber merklich gebessert haben. Die Bühnenverkleidung mit kurzen schwarzen Röcken und unterschiedlich gemusterten Netzstrümpfen scheint also endlich auch zum Temperament der vier Mädels zu passen.

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«Der Bund»: Aloe Blacc

Vorgestern konnte ich eine Vorschau zu Aloe Blacc im «Bund» publizieren: «Vom Wirtschaftsberater zum Seelenretter» (zum PDF). Dieser junge Kalifornier hat sich auf die Wurzeln des Soul zurückbesinnt. Noch kommt er allerdings nicht an seine grossen Vorbilder heran. In der «Berner Zeitung» gabs auch eine Vorschau und auf KulturStattBern wurde das Konzert anschliessend besprochen. Hier also mein Text:

Der amerikanische Soul-Musiker Aloe Blacc hat der Welt mit seinem Hit «I Need a Dollar» einen Wurm ins Ohr gesetzt.

Jetzt mal im Ernst: Was uns seit den 1990er-Jahren als Soul, R&B und Gospel um die Ohren geschlagen wird, ist meist nicht besonders erquicklich. Auf Hit-Format getrimmtes, plumpes Songwriting, überproduzierte, meist synthetische Klänge, die ewig gleichen Rhythmen und diese mit Aluminium überzogenen Singstimmen.

Mehr Stil hatten da die Vorgänger, Leute wie Marvin Gaye, Al Green oder der inzwischen wiedererweckte Gil Scott-Heron. Nun schlägt ein gewisser Egbert Nathaniel Dawkins III unter dem Künstlernamen Aloe Blacc einen Bogen in die glanzvollsten Zeiten des Souls. «Good Things» heisst das zweite Album des 32-Jährigen, es ist ein angenehm analog produziertes Werk mit heimeligen Bläsersätzen, Aloes weit tragender Stimme, erdigen Rhythmen und vor allem mit dieser Art von Gitarrenspiel, das einer ganzen Generation aus «The Streets of San Francisco» in wohltuender Erinnerung ist.

Eine neue Chance

So ganz schaff t es der entlassene kalifornische Wirtschaftsberater Aloe Blacc zwar noch nicht, an seine Vorfahren heranzukommen. Dazu fehlt seiner Musik etwas die Patina. Da gibt es im musikalischen Untergrund, der sich in den letzten Jahren dem Vintage-Soul angenommen hat, reizvollere Beispiele. Blacc könnte aber ein neues Anzeichen dafür sein, dass diese ursprünglichere Form von Blues und Soul eine neue Chance erhält, in den Mainstream einzufl iessen. Das wiederum würde bedeuten: In diesem Jahr spielt der höchst sozialkritische Aloe Blacc in der Reitschule, nächstes Jahr ist er einer der Headliner am Gurtenfestival. (mg)

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Stahlberger in der Mühle Hunziken

Mitte März habe ich Stahlberger im Auftrag der Band beim Konzert in der Mühle Hunziken fotografiert. Hier ein Beispiel:

Manuel Stahlberger in der Mühle Hunziken in Rubigen. (Bild Manuel Gnos)

Mehr davon gibts auf der Website der Band.

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«Der Bund»: TCS-Patrouilleur

Der «Bund» nimmt die TCS-Pannenbilanz 2010 zum Anlass, mit dem Patrouilleur Samuel Stübi über seine Arbeit zu sprechen. Grund für die monatlich 1500 Einsätze der Berner TCS-Patrouilleure sind immer häufiger Elektrikpannen.

TCS Patrouilleur Samuel Stübi posiert für den «Bund»-Fotografen. (Bild Manuel Gnos)

TCS Patrouilleur Samuel Stübi posiert für den «Bund»-Fotografen. (Bild Manuel Gnos)

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«Der Bund»: Eröffnung Jazzfestival Bern

Letzten Freitag, 11. März 2011, wurde im Saal des «National» das 36. Internationale Jazzfestival Bern eröffnet. Ich habe für den «Bund» das Bild von Jean-Luc Ponty (Geige)
und Wolfgang Dauner (Klavier) gemacht:

Jean-Luc Ponty (Geige) und Wolfgang Dauner (Klavier) im Theater im National. (Bild Manuel Gnos)

Der Artikel im Originallayout (PDF). Mir persönlich hätte das hochformatige Bild besser gefallen. Leider liess es sich vom Layout her nicht machen:

Jean-Luc Ponty. (Bild Manuel Gnos)

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«Der Bund»: Marianne Dissard

Unter dem Titel «Französische Liebeserklärung an Tucson» ist heute im «Bund» eine Vorschau zum Konzert von Marianne Dissard in der Mühle Hunziken in Rubigen erschienen. Das PDF kann hier heruntergeladen werden.

Marianne Dissard ersingt sich auf «L’abandon» einen Platz neben Arizonas grossen Americana-Bands Calexico und Giant Sand.

Auf der North 4th Avenue in Tucson im US-Bundesstaat Arizona fährt ruckelnd und ratternd ein belgisches Tram auf und ab, zunächst einen Kilometer nach Norden, dann noch gut einen halben Kilometer nach Osten, bevor es umkehrt und mit dem Glockengebimmel aus einem Western zurückfährt.

In diese staubige Wüstenstadt, hart an der Grenze zu Mexiko, hat es in den Neunzigerjahren die bei Toulouse aufgewachsene Marianne Dissard verschlagen. Zuvor lebte sie schon einige Jahre mit ihren Eltern im nahen Phoenix, weil ihr Vater von seiner Firma dorthin versetzt wurde. Während ihres Studiums an der Filmschule von Los Angeles machte sie 1994 einen Dokumentarfilm über Howe Gelb und Joey Burns, die beiden Lichtgestalten der alternativen Americana-Musik in Tucson. Das war für Marianne Dissard der Eintritt in die von Künstlern und Studenten geprägte Stadt in der hügeligen Wüste Südarizonas. Im Jahr 2000 hatte sie einen Gastauftritt bei Calexico, und 2004 sang sie in einer Frauenband gegen eine zweite Amtszeit Bushs. Von da an dauerte es dann noch weitere vier Jahre bis zu Dissards Debüt «L’entredeux».

Kürzlich ist nun das zweite Album «L’abandon» erschienen. Dissard umwickelt hier ihre Chansons mal mehr, mal weniger mit dem von der Wüste staubigen Americana-Kleid: Ist «Le Jour d’anniversaire» eine langsame Cabaretnummer mit Klavier, Posaune, jazzigem Schlagzeug und singender Säge, kommt «L’exilé» als Möchtegernheld des Spaghettiwesterns daher, getragen von einem ratternden Perkussionsgalopp sowie den für den Americana-Rock typischen verzerrten Gitarren, die langsam Akkorde aneinanderreihen und immer wieder den Eindruck von Weite hervorrufen.

Der Höhepunkt auf «L’abandon» ist «The One and Only», eine überschwängliche Liebeserklärung an Tucson. Hier kondensiert Dissards Musik zu einer wilden, stampfenden Hymne mit Dämpfertrompete, antiquierter Orgel, heulender Westerngitarre und einer Marschmusik vortäuschenden Rhythmusgruppe. Dass ihr beim Komponieren der italienische Morricone-Schüler Christian Ravaglioli zur Seite stand, ist in den Schreien dieses Liebesgeständnisses besonders klar herauszuhören.

Mühle Hunziken, Rubigen: Freitag, 4. März, 21 Uhr.

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