Falsche Wahrnehmung

The Cat and Fiddle in Hollywood, Los Angeles, 9. Oktober 2008. (Bild Manuel Gnos)

The Cat and Fiddle in Hollywood, Los Angeles, 9. Oktober 2008. (Bild Manuel Gnos)

Was Sie hier sehen, ist der Garten des Cat & Fiddle in Hollywood, Los Angeles. Es ist früher Donnerstagabend und deshalb nicht weiter überraschend, dass es erst wenige Leute hier hat.

«Nix Wirtschaftskrise» hab ich mir dann am Freitag zu späterer Stunde gedacht, als ich im gleichen Restaurant von meinem New-York-Steak-Sandwich aufgeschaut habe, alle Sitzplätze besetzt waren und die Jungen und Schönen ihre Party feierten.

Als ich mich tags darauf schon wieder am gleichen Ort einfand, um mich mit Kirsten Nutt und ihrem Freund Chester zu treffen, war es ähnlich voll; die Leute lachten, tratschten, rauchten und tranken ihr Bier beziehungsweise ihre Cocktails. Soweit nichts Auffälliges.

Im Verlaufe des Abends sagte Kirsten aber etwas, das mich nachdenklich machte: Es seien auffällig wenig Leute hier. Normalerweise komme man hier kaum rein, am Eingang gäbe es eine lange Schlange «und am Wochenende musste man früher Eintritt bezahlen». Nicht so an jenem Samstagabend.

Die 25jährige Kirsten stammt aus Chicago, kam fürs College nach Los Angeles, ist (auch) wegen ihres Freundes geblieben und hat vor einer Woche ihren Job als Kleinkinderbetreuerin verloren. Sie führe das Ausbleiben der Leute ganz klar auf die wirtschaftlichen Probleme zurück. Das sei nun schon eine Weile tagtäglich spürbar.

Auch Marlies, eine gut 60jährige Schweizer Psychologin, die seit 30 Jahren in Los Angeles lebt, sagte etwas Vergleichbares: «Wenn du durch Beverly Hills fährst, stehen da nirgends Schilder in den Gärten, mit denen die Häuser zum Verkauf angeboten werden.» Dort aber, wo sie Opfer von Gewaltverbrechen betreue, im Norden von Hollywood, dort stehe bald jedes zweite Haus zum Verkauf. «Es sind eben nicht die Reichen, die unter der Krise leiden.»

Beides Beobachtungen, die ich als Besucher nicht ohne Weiteres gemacht hatte. Im Gegenteil: Ich war oft erstaunt, wie wenig von der grossen Krise zu spüren war. So kann man sich täuschen.

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