Small-Town America = Real America

Zurzeit wird hier eine halbwegs groteske Debatte geführt, was das «wahre Amerika» ist. Diese Debatte wurde von den Republikanern vom Zaun gerissen, insbesondere von Sarah Palin, der Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin (schauen Sie dazu dieses CNN-Video).

Ein kurzer Ausschnitt aus ihrer Rede sei hier zitiert: «We believe that the best of America is in these small towns that we get to visit, and in these wonderful little pockets of what I call the real America, being here with all of you hard working very patriotic, um, very, um, pro-America areas of this great nation.»

Nun, ich war auf meiner Reise auch in diesem «small-town America», wo laut Palin die einzig wahren Amerikaner, die einzig wahren Patrioten leben. Und ich kann Ihnen sagen: Wenn das die Zukunft dieses Landes ist, dann gute Nacht.

Nicht dass es dort mehr, nun, schlechte Menschen gibt als anderswo; das wäre mir so nicht aufgefallen. Doch diese kleinen Städte bestehen – grob gesagt – aus einer Aneinanderreihung diverser Supermarkt-, Tankstellen-, Hotel- und Restaurant-Ketten, aus kleinen Unternehmen, end- und teilweise lieblosen Wohnsiedlungen sowie Strassen ohne Trottoirs. Die lokalen Busse fahren, so es sie denn überhaupt gibt, im Stundentakt und so etwas wie ein Ortskern existiert meist nicht oder ist vollkommen ausgestorben. Das ist das Amerika von Joe the Plumber, der in Obama einen Sozialisten sieht.

Der Schluss daraus? In New York City, Chicago, Los Angeles, San Francisco, Las Vegas oder Phoenix leben nur unpatriotische, kommunistische Anti-Amerikaner. Am besten, man packt sie alle in einen Bundesstaat, zum Beispiel New York State, und gliedert diesen Teil aus den USA aus. Problem gelöst.

Ich grüsse Sie herzlich aus «un-real America», Ihr Manuel the Blogger

Downtown Las Cruces, das vollkommen ausgestorben ist; kaum ein Laden ist noch offen. (Bild Manuel Gnos)

Downtown Las Cruces, das vollkommen ausgestorben ist; kaum ein Laden ist noch offen. (Bild Manuel Gnos)

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