Weder McCain noch Obama

«Ich werde versuchen, keine bösen Wörter zu gebrauchen.» Yeren Hende ist sichtlich unzufrieden mit der amerikanischen Politik. Im Gespräch stellt er sich als äusserst belesener Beobachter heraus, der sich seine Wut gegenüber den politischen Leaderfiguren dieses Landes sozusagen anrecherchiert hat.

Yeren Hende ist 37jährig, lebt in San Antonio (Texas) und unterrichtete bis vor einiger Zeit Geschichte an einer High School. Zurzeit ist er ohne Stelle und auf der Suche nach Arbeit.

Yeren Hende aus San Antonio. (Bild zvg)

Yeren Hende aus San Antonio. (Bild zvg)

Die Arbeitslosigkeit bringt Yeren allerdings nicht aus der Ruhe: «Ich werde auf jeden Fall etwas finden. Und damit ich genug Geld habe, bin ich auch bereit, vorübergehend einen ganz anderen Job zu übernehmen.»

Er sei in Memphis, Tennessee, in ganz armen Verhältnissen aufgewachsen, habe aber die Möglichkeit erhalten, zu studieren. Dadurch hat es Yeren geschafft, sich einen gewissen Status zu erarbeiten. Vielleicht kommt sein Glaube daran, dass er seine aktuelle Situation meistern wird, genau daher.

Yeren Hende ist Afroamerikaner. Trotzdem wird er nicht für Barack Obama stimmen. «Würde ich gezwungen, für einen der beiden offiziellen Kandidaten zu stimmen, bekäme Obama meine Stimme.» Weil Obama aber in Texas sowieso keine Chance habe (Texas hat 1976 zum letzten Mal dem demokratischen Kandidaten, Jimmy Carter, den Vorzug gegeben), gebe er seine Stimme dem Republikaner Ron Paul.

Ron Paul hat die Vorwahlen der Republikaner gegen John McCain klar verloren. «Ich respektiere Ron Paul aber sehr, weil er sich immer dagegen gewehrt hat, die Verfassungsrechte der Menschen hier in den USA einzuschränken.» So hat Paul zum Beispiel gegen den USA Patriot Act gestimmt und war von Beginn weg gegen den Irakkrieg. Hende, der selbst fünf Jahre im Militär war, findet diesen Krieg eine Katastrophe.

«Seit ich wählen darf, habe ich noch nie einem Kanidaten der beiden grossen Parteien die Stimme gegeben», sagt Yeren, sondern Leuten wie Ross Perot oder Ralph Nader. Es sei dies sein Protest gegen das Zweiparteiensystem der USA. «Das politische Spektrum ist doch viel breiter, als es von den Demokraten und den Republikanern abgedeckt wird.» Er wünsche sich, dass ein grösserer Ausschnitt dieses Spektrums in Washington repräsentiert werde.

Yeren Hende sagt, er überlege sich ernsthaft, das Land zu verlassen. «Es kann doch nicht sein, dass wir von unserer eigenen Regierung ausspioniert werden.» Seit diesem Sommer hat er einen Reisepass. Da er zwei Töchter im alter von sechs und sieben Jahren hat (sie leben bei ihrer Mutter), dürfte ihm dieser Entscheid aber nicht leicht fallen.

«Weisst du, ich traue Barack Obama nicht. Er ist zwar ein grossartiger Redner, aber seine Reden sind ohne Substanz.» Am Schluss wisse man nie, was er nun wirklich machen werde. Das sei suspekt, sagt Yeren. «Aber die Menschen hier merken das gar nicht. Wie denn auch?! Viele schauen ja nur CNN, Fox News oder MSNBC.» Kaum jemand lese Zeitung und schon gar nicht ausländische Quellen. «Obwohl man dank des Internet Zugriff auf alle möglichen Medien hat.» Er selber lese zwischendurch auch Al Jazeera, weil es wichtig sei, die verschiedenen Seiten einer Sache zu kennen.

Was er denn von Sarah Palin halte, will ich zum Schluss von ihm wissen. Yeren Hende: «Ich denke nicht, dass sie bereit ist für das Amt des Präsidenten. Und genau dieses Amt wird sie mit grosser Wahrscheinlichkeit übernehmen müssen, weil es um McCain Gesundheit sehr schlecht steht.»

Mehr wolle er aber dazu nicht sagen. «Sonst breche ich mein Versprechen, keine schmutzigen Wörter zu gebrauchen.» Sagts, lacht und springt vom Sitz. Dann verabschiedet er sich und rennt los, damit er seinen Bus erreicht. Er hat mit seiner älteren Tochter zum Mittagessen abgemacht.

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