«Ich habe keine Angst vor Obama»

Douglas Markham holt mich bei meinem Hotel in Houston, Texas, ab. Ich hatte übers Internet mit ihm Kontakt aufgenommen und ein Gespräch vereinbart. Doug, wie er sich mir vorstellt, ist Anwalt und Präsident der Republikanischen Partei seines Stadtteils.

«Lass uns zuerst zu mir fahren, damit ich mich kurz umziehen kann», sagt Doug, nachdem wir in seinen SUV gestiegen sind. «In der Zwischenzeit kannst du etwas mit meinem deutschen Gast reden. Er absolviert zurzeit ein Praktikum hier in Houston und wohnt bei mir.»

John McCain in Houston, vor dem Texas-Bullen. (Bild nyt)

John McCain in Houston, vor dem Texas-Bullen. (Bild nyt)

Dougs Vorgarten ist vollgestellt mit Schildern. Natürlich steht da auch ein Schild mit dem Aufruf zur Wahl von McCain/Palin. Auf den anderen Schildern stehen die Namen der republikanischen Kandidaten für die verschiedensten Ämter: Distrikt-Richter, Staats-Senat oder das US-Repräsentatenhaus. Douglas Markham schmunzelt: «So sieht der Garten eines politisch engagierten Amerikaners aus.»

Die Nachbarn auf der anderen Strassenseite werben in ihrem Garten für Obama/Biden. Ich deute nach drüben und möchte von ihm wissen, ob das manchmal zu Problemen führe. «Nein, überhaupt nicht. Ich habe Freunde aus allen politischen Lagern.» Man rede darüber, diskutiere die Standpunkte. «Und wenn es zu persönlich wird, lässt man das Thema beiseite.»

Nachdem er sich umgezogen hat, fahren wir durch die halbe Stadt in eine seiner Lieblingsbars. Auf der Fahrt dorthin erklärt er mir ausführlich das amerikanische Wahlsystem. Doug organisiert mit seinem demokratischen Amtskollegen die Wahlen in seinem Bezirk und will nichts wissen davon, dass es mit den Wahlmaschinen Probleme gibt. «Das wird vollkommen übetrieben.» Die Leuten in den Wahlbüros seien gut geschult und hätten ausführliche Unterlagen erhalten, mit dem sie jedes Problem lösen könnten.

«Über die Jahre sind mir aber einige erstaunliche Sachen passiert in diesen Wahlbüros», sagt Doug. Da kam ein Wähler aus Arizona und wollte in Texas seine Stimme abgeben. Eine Frau wollte wissen, warum sie nicht den Präsidenten der einen Partei und den Vizepräsidenten der anderen wählen könne. Viele Leute wissen nicht, dass man sich neu registrieren muss, nachdem man umgezogen ist.»

Insgesamt verliefen die Wahlen aber ruhig und geordnet. «Und dieses Jahr werden wir die höchste Wahlbeteiligung haben, die wir je gesehen haben. Auch bei uns in Texas.»

Douglas kennt schon einige Resultate des «early voting», der vorgängigen Stimmabgabe für die Wahlen vom 4. November. Natürlich darf er mir darüber nichts verraten. Und zu Sarah Palin, der umstrittenen republikanischen Kandidatin fürs Amt der Vizepräsidentin, äussert er sich nur unter der Bedingung, dass ich vor dem Wahltag nichts darüber schreibe.

Dagegen macht Douglas Markham kein Geheimnis um seine Meinung über George W. Bush: «Ich bin enttäuscht. Wirklich sehr enttäuscht!» Bush habe das Vertrauen der Leute in diesem Land missbraucht, den Irakkrieg katastrophal vorbereitet, viele Alliierte verloren und das Land gespaltet. «Das ist nicht, was er versprochen hat.»

Doug hat schon für Bush senior Wahlkampf betrieben, ist von Haustüre zu Haustüre gegangen, hat den Leuten Formulare zur Registrierung verteilt und ihre politische Ausrichtung erfasst.

Das hat er auch für Bush junior vor acht und vor vier Jahren gemacht; und jetzt macht er es wieder für John McCain, dem er als «early voter» die Stimme bereits gegeben hat. In der Ausmarchung der Republikaner hätte er allerdings gerne für Rudolph Giuliani gestimmt, doch der war in Texas schon nicht mehr im Rennen.

«Dieses Mal werden wir nicht gewinnen, das steht für mich jetzt schon fest.» Vor einem Präsidenten Barack Obama habe er aber keine Angst, da würden viele falsche Tatsachen herumgeboten. «Ich meine, wie dumm ist das denn, zu glauben, Obama sei ein muslimischer Terrorist und seine ganze Kandidatur sei das Resultat einer grossen Verschwörung?»

Obama habe zwar weniger Erfahrung als John McCain, «dafür teile ich seine Meinung in verschiedenen anderen Fragen: Abtreibung, Evolution im Unterricht, Sexualkunde und Krankenkassen.» In Sachen Freihandel, nationale Verteidigung und in den ökonomischen Grundhaltungen stehe er aber McCain näher.

«Ich bin mir nicht sicher, ob überhaupt jemand die aktuellen ökonomischen Probleme lösen kann. Jedenfalls kann es keine einzelne Person tun», sagt Doug weiter. Und bisher habe ihm niemand erklären können, wieso diese Haus-Blase gerade jetzt geplatzt sei.

Zum Schluss unseres Gesprächs kommt Douglas Markham nochmals auf Sarah Palin zu sprechen: «Sie ist nicht so extrem, wie sie oft dargestellt wird. Mir gefällt aber ihre lässige Art zu sprechen nicht.» Von einem Präsidenten erwarte er nicht, dass er wie der Typ von nebenan sei. «Und die Wahrscheinlichkeit ist beträchtlich, dass Palin das Amt von McCain übernehmen muss, weil dieser alt ist und mehrmals schwer krank war.»

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