Sozialist! Marxist! Muslim! Terrorist!

Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn an jeder Ecke ein Polizist steht, fühle ich mich unsicher. Das massierte Auftreten von viel Sicherheitspersonal ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass Gefahr droht. Das hat nichts mit den ehrenwerten Menschen zu tun, die Polizisten geworden sind – sondern mit der simplen Tatsache, dass die Mittel beschränkt sind und dort eingesetzt werden, wo sie am dringensten gebraucht werden.

Das wurde mir am Dienstag wieder einmal bewusst, als ich nachts an der «Beale Street» in Memphis (Tennessee) in einem kleinen Restaurant meinen Hunger stillte. Schon auf dem kurzen Weg vom Motel dorthin hatte ich fünf Streifenwagen gezählt. Während ich ass, fuhren mindestens ein Dutzend weitere Polizeiautos die Strasse auf und ab. Sieben Polizisten, die zu Fuss unterwegs waren, kamen kurz ins Restaurant, um sich in dieser bitterkalten Nacht bei einem Kaffee die Hände zu wärmen.

Die Polizei macht Werbung in der U-Bahn von Los Angeles. (Bild Manuel Gnos)

Die Polizei macht Werbung in der U-Bahn von Los Angeles. (Bild Manuel Gnos)

Der Grund dafür: Auf der «Beale Street» hatte es unzählige Obdachlose, die sich – wenn ich das so sagen darf – den wenigen Touristen gegenüber sehr anhänglich zeigten. Interessant dabei ist der Kurzschluss, der hier vorliegt: Ich habe die Polizisten gesehen und mich unsicher gefühlt.

Auf der politischen Ebene geschieht hier in den USA zurzeit Vergleichbares: Die Republikanische Partei muss für nächsten Dienstag mit einer historischen Wahlschlappe rechnen. Doch anstatt die Ursache dafür bei sich selbst zu suchen, schauen sie von ihren Bankauszügen und den Umfrageresultaten auf und beginnen ganz hysterisch auf die Demokraten (insbesondere auf Barack Obama) zu zeigen. Sie schreien: Sozialist! Radikaler! Kommunist! Marxist!

Gestern Abend war es der ehemalige republikanische Mehrheitsführer Ted DeLay aus Texas. Er hat doch tatsächlich Angst, dass Barack Obama mit der Hilfe von – zum Beispiel – Nancy Pelosi, der Sprecherin des Repräsentantenhauses, die Verfassung umschreiben will, um aus den USA ein kommunistisches Land nach dem Vorbild von Castros Kuba zu machen.

Hatten wir das nicht schon mal? Sagt Ihnen der Name McCarthy noch etwas? Eben. Aber da das alleine heute nicht mehr reicht, schreien sie auch: Araber! Muslim! Terrorist! In der Hoffnung, dass diese Politik der Angst auch dieses Mal zieht. So haben sie schon das Land flächendeckend bewaffnet und eine weitere Generation von Soldaten ins Verderben gestürzt.

Good night, and good luck, Ihr Manuel Gnos

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