Das einnehmende Lachen

Egal ob Barack Obama morgen Dienstag zum 44. Präsidenten der USA gewählt wird oder nicht, man wird ihn hier, in Europa und wahrscheinlich auf der ganzen Welt nicht so schnell vergessen. Obama wird als ein Politiker in die Geschichte eingehen, der es verstanden hat, die Menschen zu inspirieren. Viele hatten zum ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl, dass ihre Meinung etwas zählt und dass jemand ihre Bedürfnisse ernst nimmt.

Obamas einnehmenste Eigenschaft ist sein Lachen; ein tiefes, kräftiges und ehrliches Lachen, das mich immer wieder an Elvis Presley erinnert. Sein Sinn für Humor mag nicht besonders ausgeprägt sein (hier eine hübsche Ausnahme), doch hat er die Gabe, über sich selbst lachen zu können. Und ebenso wichtig, er lässt sich gerne von anderen zum Lachen bringen.

Auch in Columbia, Missouri, wo Barack Obama letzten Donnerstag auf dem grossen Platz vor dem Hauptgebäude der hiesigen Universität eine Wahlkampfrede gehalten hat, lachte er mehrmals. Zum Beispiel als eine junge Frau ihm «I love you» zugerufen hat. Oder als er im Feuer seiner Rede den Faden kurz verloren hatte und er zusammenhangslos Wörter aneinander reihte.
Es ist nicht anzunehmen, dass der neue US-Präsident (wer immer es sein wird) besonders viele seiner Versprechen wird einlösen können. Dass Obama aber die Anliegen der Mittel- und Unterschicht ernst nimmt, ist eine seiner ganz grossen Stärken. Er ist seit langem der erste Politiker, bei dem man das Gefühl hat, er braucht seine Argumente nicht einfach als Propaganda, sondern er versucht mit ihnen seine Überzeugungen auszudrücken.

Natürlich kann man all das als Aussenstehender nie wirklich beurteilen. Doch der Mann wirkt aufrichtig, mitfühlend und respektvoll.

Aus all diesen Gründen war es äusserst interessant, an einer seiner Wahlkampfveranstaltungen teilnehmen zu können. Dabei überraschte mich, dass ich in Columbia, Missouri, zwar Teil eines begeisterten, jedoch keineswegs hysterischen Publikums war. (Ganz im Gegensatz übrigens zur Wahlveranstaltung von Sarah Palin am selben Tag in Cape Girardeau, Missouri.)

Natürlich gab es den Einen oder die Andere, die mit Tränen in den Augen den Worten Obamas lauschten. Natürlich jubelte die Menge nach den Kernsätzen. Natürlich hielten die Leute ihre Schilder in die Höhe, um ihre Zustimmung zu bezeugen. Doch diese Reaktionen waren – zum Beispiel – weit weg von jenen eines ungezügelten Publikums in den Anfangszeiten des Rock’n’Roll.

In Columbia stand letzten Freitag nicht ein Demagoge auf dem Podium, sondern ein Politiker, der den Menschen erklärte, welche Ziele er mit ihnen erreichen will – und sie zugleich warnte, dass der Weg dorthin schwierig sein wird. Obama: «Denkt nicht, dass wir unsere Ziele ohne Aufwand erreichen können! Wir wissen, dass wir hart arbeiten müssen, um unsere Träume verwirklichen zu können.»

Es ist erstaunlich, dass Obamas Pragmatismus eine derartige Begeisterung auslösen kann. Er hat eine Bewegung in Gang gesetzt, die so schnell nicht zu stoppen sein wird. Und gerade das ist etwas vom Faszinierendsten an den Vereinigten Staaten: Dass nach einem so fürchterlichen Präsidenten wie George W. Bush ein intelligenter und sensibler Mann kommt, der den Menschen die Hoffnung zurückbringt.

Eine schwarze Studentin sagte nach Obamas Rede zu mir: «Ich bin geradewegs froh, dass John Kerry, dieser Niemand, vor vier Jahren die Wahlen gegen Bush verloren hat. So haben wir nächsten Dienstag die Möglichkeit, einen der besten Männer dieses Landes zum Präsidenten zu wählen.»

Das Bild, nun ja, näher bin ich bei 40’000 Menschen leider nicht an Barack Obama herangekommen… Aber auf der Website der «Columbia Daily Tribune» finden Sie eine Bildergalerie.

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