«Der Bund»: Marianne Dissard

Unter dem Titel «Französische Liebeserklärung an Tucson» ist heute im «Bund» eine Vorschau zum Konzert von Marianne Dissard in der Mühle Hunziken in Rubigen erschienen. Das PDF kann hier heruntergeladen werden.

Marianne Dissard ersingt sich auf «L’abandon» einen Platz neben Arizonas grossen Americana-Bands Calexico und Giant Sand.

Auf der North 4th Avenue in Tucson im US-Bundesstaat Arizona fährt ruckelnd und ratternd ein belgisches Tram auf und ab, zunächst einen Kilometer nach Norden, dann noch gut einen halben Kilometer nach Osten, bevor es umkehrt und mit dem Glockengebimmel aus einem Western zurückfährt.

In diese staubige Wüstenstadt, hart an der Grenze zu Mexiko, hat es in den Neunzigerjahren die bei Toulouse aufgewachsene Marianne Dissard verschlagen. Zuvor lebte sie schon einige Jahre mit ihren Eltern im nahen Phoenix, weil ihr Vater von seiner Firma dorthin versetzt wurde. Während ihres Studiums an der Filmschule von Los Angeles machte sie 1994 einen Dokumentarfilm über Howe Gelb und Joey Burns, die beiden Lichtgestalten der alternativen Americana-Musik in Tucson. Das war für Marianne Dissard der Eintritt in die von Künstlern und Studenten geprägte Stadt in der hügeligen Wüste Südarizonas. Im Jahr 2000 hatte sie einen Gastauftritt bei Calexico, und 2004 sang sie in einer Frauenband gegen eine zweite Amtszeit Bushs. Von da an dauerte es dann noch weitere vier Jahre bis zu Dissards Debüt «L’entredeux».

Kürzlich ist nun das zweite Album «L’abandon» erschienen. Dissard umwickelt hier ihre Chansons mal mehr, mal weniger mit dem von der Wüste staubigen Americana-Kleid: Ist «Le Jour d’anniversaire» eine langsame Cabaretnummer mit Klavier, Posaune, jazzigem Schlagzeug und singender Säge, kommt «L’exilé» als Möchtegernheld des Spaghettiwesterns daher, getragen von einem ratternden Perkussionsgalopp sowie den für den Americana-Rock typischen verzerrten Gitarren, die langsam Akkorde aneinanderreihen und immer wieder den Eindruck von Weite hervorrufen.

Der Höhepunkt auf «L’abandon» ist «The One and Only», eine überschwängliche Liebeserklärung an Tucson. Hier kondensiert Dissards Musik zu einer wilden, stampfenden Hymne mit Dämpfertrompete, antiquierter Orgel, heulender Westerngitarre und einer Marschmusik vortäuschenden Rhythmusgruppe. Dass ihr beim Komponieren der italienische Morricone-Schüler Christian Ravaglioli zur Seite stand, ist in den Schreien dieses Liebesgeständnisses besonders klar herauszuhören.

Mühle Hunziken, Rubigen: Freitag, 4. März, 21 Uhr.

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